Who Cares?

Who cares? Kreative Mitmach- und Nachdenkkunst am Freiburger Güterbahnhof. Foto: ds
Who cares? Kreative Mitmach- und Nachdenkkunst am Freiburger Güterbahnhof. Foto: ds

 

(ds) Der Enthusiasmus, der vom Projekt „WHO CARES?“ ausstrahlt, ist ansteckend. Die meisten verlieben sich augenblicklich in die Idee des Aktionstheaters Pan.Optikum. Die Vision: Dem viel zu schnell gewachsenen Stadtteil Freiburg-Brühl eine Seele geben. Ab Montag, 18. Mai 2026, startet das Projekt offiziell. Wir waren schon vorab vor Ort, denn eigentlich hat „WHO CARES?“ schon längst begonnen.

Es wird immer noch gebaut in Freiburg-Brühl. Das Stadtteilbild wird von hohen Kränen und noch höheren Wohnhäusern geprägt. Und von Straßen, die fast nicht voneinander zu unterscheiden sind. Start-Ups sitzen in umgebauten Industriehallen, die Cafés sind gut besucht, natürlich gibt es ein Fitnessstudio, die nächste Straßenbahnhaltestelle ist auch nicht weit. Nur ein Gefühl für den jungen Stadtteil will noch nicht so richtig aufkommen, nicht bei denen, die hier arbeiten, nicht bei denen, die hier wohnen. Es wirkt fast so, als ob der Mensch bei all dem Wachstum und der rasenden Veränderung nicht mitgekommen sei. Es fehlt eine Verbindung.

„In der ersten Phase des Projekts, die jetzt beginnt, bieten wir den Menschen Interaktionsräume an, durch die auf drei unterschiedliche Arten körperliche Momente empfunden werden können“, sagt Leonie Fritsch vom Theater Pan.Optikum. Gemeint sind ein Balancespiel, ein Klang-Hexagon und der Wortraum, eine Wand, an der spielerisch einzelne Wörter zu Sätzen und Fragen zusammengebaut werden können. „Dabei können Fragen wie „Wem hörst du eigentlich zu?“ entstehen“, beschreibt Leonie Fritsch. „Oder Fragen wie „Was kann dieser Ort noch sein?“. Wir wollen den Menschen einen Impuls geben, zusammenzukommen, etwas zu erleben und sich genau mit solchen Fragen zu beschäftigen.“

Der Wortraum steht schon seit einigen Tagen und tatsächlich ist zu beobachten, wie immer wieder Menschen neugierig auf die Wand zulaufen, um sich daran auszuprobieren. An einer anderen Stelle im Stadtteil: eine wippende Parkbank. Wer sich hier hinsetzen möchte, muss automatisch das Gleichgewicht halten. Allein, zu zweit oder als Gruppe die Balance halten? Daneben steht eine Infosäule mit einem QR-Code. Denn „WHO CARES?“ will die Menschen nicht nur zusammenbringen und zum Nachdenken bewegen. Jeder soll sich an dem Kunstprojekt beteiligen können. „Über die QR-Codes kann man uns direkt Fotos, Audionachrichten oder Texte schicken“, erklärt Leonie Fritsch und spricht damit die zweite Phase von „WHO CARES?“ an.

Denn all das, was da an Gedanken und Bildern von den Menschen in Freiburg-Brühl in den kommenden Wochen zusammenkommt – ausgelöst von den aufgestellten Objekten – wird in einer Ausstellung ab 11. Juli vier Wochen lang in der alten Lokhalle zu sehen sein. Zusätzlich werden im Rahmen der Ausstellung viele verschiedene Künstler auftreten, unter anderem das Projekt SUBTERA, das Industriesensoren nutzen wird, durch die das Publikum direkt Teil der Musik wird. Und dann wäre dann noch der eigentliche Höhepunkt des Projekts: „Das ist das Community-Care-Projekt, bei dem wir alle Menschen aus dem Stadtteil und alle, die sich dafür interessieren, einladen, um mit uns zu zusammen eine Tanz-Performance zu erarbeiten“, sagt Leonie Fritsch, deren anfängliche Nervosität sich inzwischen etwas gelegt hat. „Wir waren richtig aufgeregt beim Aufbau der Objekte, ob sie auch angenommen werden. Aber direkt danach hat man gesehen, dass viele aus reiner Neugier alles sofort ausprobieren. Und das zu sehen, war schon mal eine große Erleichterung.“

Wer sich beteiligen will, ist also herzlich eingeladen, vor Ort oder in der alten Lokhalle. WHO CARES? Du vielleicht?

=> Erste Einblicke in das Projekt gibt es auch hier: DIGITALE EBENE DER STADTOBJEKTE.

=> Weitere Infos zum Projekt hier.