Die Woche in Deutschland

 

Was war in der zurückliegenden Woche in Deutschland los? Wir werfen einen Blick zurück. Foto: AB
Was war in der zurückliegenden Woche in Deutschland los? Wir werfen einen Blick zurück. Foto: AB

 

Die Woche in Deutschland (DWiD) ist ein Satire-Format, das unser Autor 2013 erstmals im deutsch-französischen Online-Magazin „Eurojournalist.eu“ eingeführt hat. Hier werden Geschehnisse der zurückliegenden Woche satirisch kuratiert und zu berichtenden Medien verlinkt.

KW29: Punktgetrete, Heilsbringertum 14.0, Bauchmieter, Demokratieauftragsvergabe und europäisches Eingedeiche

Jetzt ist sie also rum, die größte WM der Weltgeschichte. Weltmeister ist, naja, wer wohl sonst. Noch auffälliger als das spaßbefreite Finale waren indes die beiden Vorgipfleltreffen mit den sehr seltsamen Kniefällen Englands und Frankreichs. England hatte ein 1:0 gegen Argentinien aufs Tapet gelegt und sich dann selbst in den sportlichen Ruin verwaltet. Die britische Nationalmannschaft waberte im und um den eigenen Strafraum wie eine halbtote Qualle und bettelte Argentinien an, ein bisschen Schiffeversenken zu spielen. Was auch gelang. Top-Favorit Frankreich sank derweil nach berauschendem Turnierverlauf vor Spanien in den Staub, das den hochgelobte Olise-Palast wanken ließ. Zuvor hatte Paraguay den Franzosen auch noch den Elfmeterpunkt kaputtgetreten. Mehr Malaise geht nicht.

Und Deutschland? Deutschland hofiert einen Nachfolger für den 13. Nationaltrainer, dessen offensichtliche Fehler sogar Kinder im Vorschulalter an Taktiktafeln malen können. Wobei der größte Fehler jener der mehreren hundert TV-Expert*innen in weißen Turnschuhen war, die DFB-Elf gegen jeden Sinn und Verstand mit verbaler Gewalt in die Nähe der Endrunde rücken zu wollen – und sei es im Konjunktiv. Jetzt erwarten wir also einen strahlenden 14. Heilsbringer, der als Profi-Dompteur mindestens so gut sein soll wie als Eigenvermögensberater. Schaun mer mal.

Apropos vier Jahre Trinkpause: Dieser Berliner Politiker, dieser Dings, ist zurückgetreten. Zumindest ein bisschen. Waren das noch Zeiten, als 2009 ein paar spanische Dienstwagenkilometer eine gewisse Frau Schmidt zu Fall brachten. Der seither ins Uferlose geschossene Doppelmoral-Dax ist nun immerhin mal wieder ein klitzekleines bisschen eingebrochen. Trump, Infantino, Spahn. Alle drei dachten wohl, wer wegen eines Skandals zurücktritt, sei selber schuld. Zwei halten das noch durch. Den Dritten hat’s erwischt. Nach Immobilien-, Masken- und Impfstoff- nun also die Mietbauchaffäre. Ja darf man denn nicht mehr Privates und Berufliches trennen? Doch. Nur, für Fraktionsvorsteher gelten offensichtlich höhere moralische Stolperschwellen als für Abgeordnete. Denn letzteres ist der Bauchuntermieter natürlich immer noch. Monatliche 11.833,47 Euro dürften ein angemessenes Schmerzensgeld sein für derlei selbstverursachtes Leid.

Womit wir bei den Reformen wären. Ja, wenn eine Regierung Dinge ändert, Bestehendes anpasst oder gar umstößt, dann gibt es Menschen, denen das faktisch oder phantommäßig gegen den Strich geht, neben bayerischen Wadenbeißern, die notorisch an der Kette geifern. Deshalb muss man da ganz genau hinschauen, alles sorgfältig abwägen und möglichst viele unparteiliche und von keinerlei Lobbyviren infizierte Fachexpert*innen und Wissenschaftler*innen maßgeblich in die Entscheidungsprozesse einbinden. Nichtstun ist keine Alternative und macht nur die Faschisten stark. Um das Land also in eine wertschätzende, gerechte, gemeinsame, friedliche und auskömmliche Zukunft zu führen, braucht es Weitsicht (wird gern mit Wachstum verwechselt). Bestätigung könnten sich die Regierungshandelnden durch demokratische Wähler*innenbeteiligung einholen, wenn sie es wollten. Wollen sie natürlich nicht. Die vierjährliche Auftragsvergabe hinterlässt Fragen.

Wo war ich? Ach ja, Reformen, Vernunft, Gaskraftwerke. In der ZEIT las ich einen Artikel (Geoengineering: Letzte Rettung Größenwahn), wonach wagemutige Ingenieure wagemutige Planspiele entwickeln, um den mit der schleichenden Klimazerstörung einhergehenden Meeresspiegelanstieg in Europa auszugrenzen. Die Idee: Ein paar etwas größere Staumäuerchen mit Hochseeschleusen zwischen Schottland und Norwegen sowie zwischen Alaska und Russland sowie rund um Venedig könnten das Schlimmste verhindern. Natürlich nur in Europa. Im rest der Welt würde das Wasser entsprechend umso höher steigen, na was soll’s. Zum Glück haben wir hier die geeigneten Fachkräfte. Wäre das nicht ein Deal: Die Niederlande dürfen, sagen wir dank der englischen Methode, mal eine WM gewinnen, dafür deichen sie Europa ein. Bis dahin tauchen wir im Sommerurlaub mit Sauerstoffflasche und Bleigürtel ein bisschen unter der Rialtobrücke durch.