
Sie verdienen offenbar sehr gutes Geld: Die Anbieter von Sportwetten, speziell im Fußball. Fast jeder Profi-Club hat einen „Wett-Partner“, auch in der öffentlich-rechtlichen Sportschau flimmert Werbung für Sportwetten über die Bildschirme. Fakt ist aber auch, dass Sportwetten, exzessiv genutzt, süchtig und krank und vor allem auch arm machen können. Dagegen wendet sich kurz vor dem Start der Fußball-WM das „Bündnis gegen Sportwetten-Werbung“ (BgSwW) mit einer Presseerklärung.
Darin heißt es unter anderem, dass die Präsenz von Sportwettanbietern im Umfeld des Sports weiter wachse – trotz der bekannten Risiken von Glücksspiel und Glücksspielsucht. Besonders problematisch sei es dabei, dass Minderjährige und andere vulnerable Gruppen der Werbung nahezu schutzlos ausgesetzt seien. Und das, obwohl der Glücksspielstaatsvertrag vorsehe, dass Werbung für Glücksspielangebote nicht übermäßig sein dürfe.
Weiter heißt es: „Angesichts aktueller Entwicklungen stellt sich jedoch die Frage, ob dieses Maß nicht längst überschritten ist. Aktuelle Beispiele verdeutlichen die zunehmende Verflechtung von Sport und Glücksspiel: Sportwettenanbieter treten als Partner von Sportförderorganisationen auf. Im internationalen Fußball werden wirtschaftliche Interessen der Wettbranche teilweise als Erfolgsfaktor für sportlichen Erfolg dargestellt. Zur Weltmeisterschaft 2026 werden Spiele über Plattformen von Sportwettanbietern zugänglich gemacht, wodurch die Verbindung von Sportkonsum und Wettangeboten weiter verstärkt wird.“
Diese Entwicklungen trügen dazu bei, Sportwetten als normalen Bestandteil des Fußballerlebnisses erscheinen zu lassen – insbesondere für junge Fans, so Markus Sotirianos, Sprecher des BgSwW. „Die Sportwettbranche hat längst aufgehört, lediglich bestehende Nachfrage zu kanalisieren. Sie arbeitet mit Hochdruck daran, neue Kundinnen und Kunden zu gewinnen – und der Profifußball dient dabei als ideale Werbeplattform. Wer heute Fußball schaut, soll morgen wetten. Diese Entwicklung hat mit Spielerschutz nichts zu tun und steht im direkten Widerspruch zu dem Anspruch, die Bevölkerung vor den Risiken des Glücksspiels zu schützen.“
Das BgSwW fordert deshalb die politisch Verantwortlichen in Bund und Ländern auf, den Schutz von Fußballfans und insbesondere Minderjährigen stärker in den Mittelpunkt zu stellen. Während über Gewalt und Pyrotechnik regelmäßig intensiv diskutiert wird, erhalten die gesellschaftlichen Folgen problematischen Glücksspielverhaltens vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit. Die FIFA-Weltmeisterschaft 2026 dürfe nicht zu einem weiteren Meilenstein der Normalisierung von Sportwetten werden. Das BgSwW appelliert an alle Fußballfans, die Risiken von Sportwetten ernst zu nehmen und sich nicht von deren allgegenwärtiger Präsenz beeinflussen zu lassen.
TV-Dokus zum Thema:
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