Die Woche in Deutschland – KW34

Philosophieschub | Da Da Da | Rückkehragenturen in Sachsen-Anhalt | Turfgetrete | Megback

von Arne Bicker

Was war in der jetzt zu Ende gehenden Woche in Deutschland los? Foto: AB
Was war in der jetzt zu Ende gehenden Woche in Deutschland los? Foto: AB

 

 

„Wo ist Behle?“ fragte sich und uns TV-Glotzende 1980 bei den Olympischen Winterspielen in Lake Placid die 2013 verstorbene Reporter-Legende Bruno Moravetz. Der spätere Bundestrainer und damalige Skilangläufer Jochen Behle tauchte wieder auf, wie wir inzwischen wissen, und das hat er mit unserem Bundeskanzler gemein. Der hatte – äußerst geheimnisumwittert – seinen Sommerurlaub verlängert, vermutlich um allen vermuteten Faulpelzen im Land einen Schlag mit der Toleranzfaust zu versetzen. Nachfragen bei der Regierungssprecherei lösten einen spontanen Philsophieschub aus, da der Kanzler immer da sei, auch wenn er weg sei, und wer nicht weg sei, der müsse auch nicht zurückkommen – ich fasse das hier mal sinngemäß zusammen.

Ein Schelm, wer da Böses denkt, befinden sich doch die Beliebtheitswerte des Kanzlers derzeit im Sinkflug. Doch das dürfte als Grund kaum ausreichen, schließlich sind es deutsche Kanzler – zumindest die letzten beiden – gewohnt, nicht beliebt zu sein. Der innere Antrieb kommt schließlich, so glaube ich zu erahnen, aus der gludernden Lot des körpereigenen Chuzpe-Reaktors. Der Kanzler ist also Da Da Da, und wir lieben ihn oder auch nicht. Was will ich damit eigentlich sagen? Wenn ich das nur wüsste.

Schauen wir mal nach bei ebay. Eine Ausgabe des Magazins „Der Spiegel“ mit einem Foto von einem angehenden Landesfürsten, mit Autogramm und Widmung an einen gewissen „Christian“, kostete zum Zeitpunkt des Entstehens dieser Zeilen 200 Euro. Eine vier Monate ältere Ausgabe mit Kanzlerfoto, aber ohne Autogramm, dafür mit dem Zitat „Ich kann da in der Tat noch besser werden“, wird für 4,55 Euro angeboten. Bliebe die Frage: Wem hat der laut Spiegel „gefährlichste Mann Deutschlands“ sein Autogramm gewidmet? Doch nicht etwa einem ehemaligen hybriden Finanzminister?

Auch wenn der gefährlichste Mann Deutschlands vielleicht in Thüringen auf die große Renationalisierung wartet und die gefährlichste Frau der Schweiz womöglich schon im Bundestag angekommen ist, so verlassen doch schon etliche Damen das Land Sachsen-Anhalt, wie das TV-Format „Fun Facts“ vermerkt. Laut „Fun Facts“ hatte dieser Umstand schon das Entstehen von „Rückkehragenturen“ und „Rückkehrmessen“ zur Folge. Alles eine Frage des Marketings und der Richtung. Vielleicht wird da ja Bluewashing betrieben; alles halb so wild?

Richtig wild ging es derweil am Freitagabend im DFB-Pokal zu, beim Duell Waldhof Mannheim (3. Liga) gegen den 1. FC Kaiserslautern (2. Bundesliga). Wie schon bei der Sommer-WM zu beobachten war, setzte sich auch hier der Trend zum nerdigen Zweikampf mit verbalem und körperlichen Nachtisch fort. Beim Stand von Null zu Null nach neunzig Minuten bohrten sich noch dazu adrenalinhaltige Feuerwerkskörper und Zuschauer in den Rasen. Daraufhin spurteten offenbar bereits in den Startlöchern steckende Hundertschaften der Polizei auf den Turf, darunter auch vier berittene Polizist*innen, die, ganz und gar im Rüssmann’schen Geiste, den Mannheimer Rasen kaputtgaloppierten. Weitergespielt werden konnte trotzdem – Kaiserslautern gewann das Spiel mit 1:0.

Und damit komme ich zu meiner Lieblingsnachrichtenmeldung dieser Woche: Harry und Meghan kehren zurück nach England. Was das mit „Die Woche in Deutschland“ zu tun hat? Naja, wer schielt denn nicht über den Ärmelkanal, zu den Royals, deren Hochzeiten tagelang im deutschen Fernsehen live übertragen werden, mit Schleppen, Fracks und wagenradgroßen Hüten, um unsere Adelssehnsucht zu stillen? Immerhin gibt es das weitverzweigte britische Königshaus bei uns für fast umsonst, obwohl es, man höre und staune, für die englischen Steuerzahler*innen nur doppelt so teuer ist wie für uns ein einziger Bundespräsident. Und aus dem Megxit wird jetzt also Megback mit Shakespeare’schen Ausmaßen. William und Kate seien darob geschockt, weiß, ahnt, vermutet, auf jeden Fall schreibt die „Gala“, deren Auflagenstrahl damit bald in den Himmel schießen dürfte, um dort mit Merzens Abwärtstrend ein veritables Andreaskreuz zu bilden.

 

Die Woche in Deutschland (DWiD) ist eine satirische Kurznachrichten-Kuratierung, die unser Autor 2013 erstmals im deutsch-französischen Online-Magazin „Eurojournalist.eu“ eingeführt hat. Hier werden Geschehnisse der zurückliegenden Woche kuratiert und zu berichtenden Medien verlinkt.