Reichepimpen | Kettenhemden | Zolland | Klopp für Merz | Stimmenfang | Helikopterstreich
von Arne Bicker

Die Spritpreise steigen mal wieder. Und prompt schlagen die einschlägigen Hofhunde vor dem Bauernhof der Politik an. Der nur sein Auto lenkende Steuerzahler und Speditionen im speziellen müssten nun dringend entlastet werden, natürlich vom Staat, sprich, den Steuerzahlenden. Hohe Regierungsparteiliche sind dem Ermäßigungsreflex verfallen und schlagen eine solche Bezuschussung vor. Das bringt Pluspunkte bei der Wirtschaft. Denn eine Bezuschussung landet immer in den Geldspeichern der Mineralölkonzerne, die uns nach Strich und Faden über den Tisch ziehen, und gern auch in den Taschen jener vermögenden Mitbürger*innen, in deren Doppelgaragen sprithungrige Luxusautomobile auf ihre Fütterung warten. Hauptsache es wird keine Übergewinnsteuer erhoben, das wäre viel zu vernünftig und vielleicht sogar überfällig.
Etwas anders, nämlich im feuchten Nass gelagert, ist der Hunger gewisser Schuppentiere. Bei den Olympischen Spielen 2032 in Australien sollen die Ruder- und Kanu-Wettbewerbe auf einem Fluss mit Salzwasserkrokodilen ausgetragen werden. Der Fitzroy River in Queensland ist, soweit ich weiß, immerhin nicht für die Freiwasser-Schwimmwettbewerbe vorgesehen. Obwohl, ein Slalomwettbewerb vielleicht? Unser Deutschland-Achter sollte sich sicherheitshalb Kettenhemden für die Mannschaft besorgen und vielleicht Jetski-Bewacher*innen mit Betäubungsgewehren. Man weiß ja nie. Je nach Krokodildichte können die Rudernden aber womöglich auch gleich zu Fuß rennen und das Boot dabei tragen.
Damit komme ich zum einzigartigen Präsidenten der USA. Der drohte der Europäischen Union unter der Woche aufgrund deren zarter Liebesannäherungen an Kanada mit „sehr hohen Zöllen„. Ich bin mir nicht sicher, aber vielleicht könnten dies sogar die großartigsten Zölle in der Geschichte der Menschheit werden. Das Geld könnte der Zollpräsident gegebenenfalls gut gebrauchen, um seine angedachte 5.000-Dollar-Wahl-Dividende auszuzahlen. Dann würde die EU quasi die amerikanischen Wähler*innen pimpen, die sich von dem Geld zum Beispiel noch mehr halbautomatische Gewehre kaufen könnten. Es sei denn, ein US-Gericht stoppt diese Sache mit der großartigen Wahlprämie. Aber darauf spekuliert der Präsident sicher nicht.
Apropos betörende Führungsfiguren: Der neue Bundestrainer Jürgen Klopp sollte nach Meinung einzelner Medien dem amtierenden Bundeskanzler Nachhilfe geben. Was Merz von Klopp lernen kann ist mir noch nicht so ganz klar. Wie man bei der Sechs-Länder-WM 2030 Weltmeister wird? Darunter machen wir’s ja offensichtlich nicht. Könnten denn das Charisma und die Menschenfangquote von Kickerfraktionschef Klopp, implantiert in einen herumeiernden Sinkflugkanzler, wirklich eine profunde und gemeinsinnige Zukunftspolitik ersetzen?
Lassen wir diese Frage doch von konstruktiven Medien einordnen. Die Branche macht gerade ordentlich Werbung in eigener Sache: Aus Anlass des internationalen „Tags der Demokratie“ am Dienstag dieser Woche haben etliche etablierte Medien die Aktion „Demokratie braucht viele Stimmen“ ins Leben gerufen. Ich hätte die Aktion ja „Demokratie braucht glaubwürdig-konstruktive Medien“ genannt. Aber mich fragt ja keiner.
Dafür verteile ich hier einen Kultur-Bonus, die Meldung Sechs: Wenn es wahr ist, das Kultur dort beginnt, wo der Verstand endet, dann ist das Helikopter-Streichquartett des Komponisten Karlheinz Stockhausen ein wahrhaft erhebendes Erlebnis. Der 2007 verstorbene Rheinländer verdonnerte vier Streichmusizierende dazu, ihre Instrumente jeweils in einem im Flug befindlichen Hubschauber zu spielen und dabei die Geräusche der Helikopter-Motoren und -rotoren zu imitieren. Gehört und gesehen habe ich das am Donnerstag dieser Woche in der 3sat-Kulturzeit. Die ganze Sendung ist sehenswert, unter anderem mit dem klugen Interviewgast Don Pablo Mulemba und dem Musikvideo der Rapperin Nura, die Rahmen der „Machiavelli Sessions“ in Chemnitz ihren Song „Fair“ performt, ’nur‘ begleitet von der Robert-Schumann-Philharmonie – Gänsehaut!
Die Woche in Deutschland (DWiD) ist eine satirische Kurznachrichten-Kuratierung, die unser Autor 2013 erstmals im deutsch-französischen Online-Magazin „Eurojournalist.eu“ eingeführt hat. Hier werden Geschehnisse der zurückliegenden Woche kuratiert und zu berichtenden Medien verlinkt.



