
von Arne Bicker
Bajonettsumbildung, Milliarden-Gianni, Klimaschutzbremse, Hitze-Häcks, sieben planlose Städte und ein leiser Killer
Die Mietbauchaffäre von Jens Spahn hat ordentlich Sediment aufgewirbelt in unserer Bundesregierung. Spahns Teilrücktritt als Fraktionsvorsitzender, nicht jedoch als Bundestagsabgeordneter, war noch nicht ganz verklungen, da wirbelte Kanzler Merz bereits mit scharfer Klinge durchs Kabinett und veranstaltete eine Bajonettsumbildung. Amthor und Linnemann in verantwortlichen Positionen – echt jetzt? Welche Qualifikationen diese beiden außer ihrer Nibelungentreue zu einem bestimmten Menschen mitbringen, wird sich zeigen. Erhellend schien mir ein Interview, das Tagesschau-Sprecher Carl-Georg Salzwedel am Mittwoch mit Politikwissenschaftler Oliver W. Lembcke von der Uni Bochum führte, zu den Kommunikationstechniken von Kanzler Merz. Ich frage mich derweil: Noch mehr Rückenwind für die Faschisten?
Kommunikativ in jeder Hinsicht forsch drängte sich derweil der einem Bond-Bösewicht doch sehr ähnelnde Putin- und Trump-Versteher Gianni I. in die Schlagzeilen. Der Ober-FIFANER gab Pläne zum Besten, wonach sein Verein Anteile künftiger Fußballweltmeisterschaften bei Investoren für 20 Milliarden Euro versilbern wolle. Dabei hatte der Weltverband gerade 13 Milliarden aus der diesjährigen WM eingestrichen. Der europäische Fußballverband UEFA, selbst kein Kind von einnehmender Traurigkeit, erwägt nun einen Boykott der nächsten Fifa-WM 2030 in Spanien, Portugal, Marokko, Uruguay, Argentinien und Paraguay – für mich heißt das mit Wasserpistolen auf Elefanten zu schießen. Es wird allerhöchste Zeit, dass alle seriösen Landesverbände ohne Wenn und Aber aus der FIFA austreten und einen neuen, ehrlichen und fairen Weltfußballverband mit Fan-Beteiligung gründen. Die Zeit ist überreif.
Ein Lichtlein ist vielleicht auch Bundeswirtschaftsministerin Reiche aufgegangen, denn das Bundeskabinett hat endlich scheinbar echte Reformen für Erneuerbare Energien auf den Weg gebracht. Wie ja jedes Kind bei uns in der Schule lernt, brauchen wir einen möglichst schnellen Umstieg von fossilen auf regenerative Energieträger in fast allen Bereichen. Die „Energie-Anstalt“ verhöhnt unsere kluge Fortschrittsministerin jedoch als „Gas-Kathi“, und die Wirtschaftswoche nennt die Dame „eine hochproblematische Schwachstelle“. Energieverbände werfen Reiche vor, sie bremse den Klimaschutz und die Energiewende aus. Oh, ah, also etwa doch keine kluge Zukunftsplanung?
Aber welchen Klimaschutz könnte Reiche ausbremsen? Das ist eine interessante Frage. Das Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald hat gerade „Hitze-Häcks“ veröffentlicht und ein Hitze- und Dürre-Analyse-Tool online für alle zugänglich gemacht – hier finden sich Heute-versus-2045-Schautafeln, auf fünf Quadratmeter genau, für unser südbadisches Habitat. Bei der Präsentation sagte Sabine Barden, Referentin für Klimaschutz und Klimaanpassung, „das realistische Weiter-so-wie-bisher-Szenario“ befördere die Annahme, dass laut Datenmodellprognose aus gefühlten 40 Grad Hitze heute in Freiburg und dem Landkreis bis 2045 gefühlte 45 Grad werden würden. Das ist in 19 Jahren. Negatives Wettrennen: Wer von uns lebt dann noch? Aber eine positive Nachricht gebe es, so Barden: Wir könnten ja von Hitzeländern lernen und uns anpassen.
Können wir das? Zweifel daran säte bei mir der correctiv-Newsletter am Mittwoch. Darin hieß es, sieben von fünfzehn untersuchten Städten in Deutschland hätten noch keinen Hitzeschutzplan – darunter auch Freiburg. Wie bitte? Die heißeste Stadt Deutschlands mit Trinkbrunnen und demonstrativen Baumpflanzungen hier und dort? Scheint aber zu stimmen: Auf der Homepage der Stadt Freiburg heißt es mit Datum vom 11. Juni 2026, „der Freiburger Hitzeaktionsplan soll bis Mitte nächsten Jahres fertiggestellt sein“. Immerhin ist er in Arbeit und hat uns bereits einzelne Maßnahmen wie den Wasservernebler im Colombi-Park beschert.
Bis dahin richten wir wachstums-, konsum- und geldreichtumsgeilen Menschen unseren Planeten und sein Klima weiter ordentlich zugrunde, durch CO2- und Methanausstoß, Überbevölkerung, Ressourcenausbeutung, abfallproblematische Wegwerf-Windräder, sondermüllige Solarzellen und mehr oder weniger große Fußabdrücke einer jeden und eines jeden Einzelnen. Mit Blick auf die Hitzewellen und europaweiten Waldbrände (auch hierzulande im Chiemgau) gelang dem Diplom-Meteorologen Dr. Tim Staeger am heutigen Freitag (31. Juli 2026) eine prägnante Betrachtung im Tagesschau-Interview mit Jan Starkebaum: Die Hitze sei „ein leiser Killer“ und die größte, wenngleich eine unterschätzte Naturkatastrophe in Europa. Der Trend mit bislang 9.800 Hitzetoten in Deutschland gehe eindeutig nach oben. Klicken Sie mal rein in das Interview, es lohnt sich sehr, so rein wissensmäßig. Und vielleicht bekommen Sie dann Lust, ein paar aufklärende und lösungsorientierte Worte von Kohei Saito oder Christian Stöcker zu lesen?
Die Woche in Deutschland (DWiD) ist eine satirische Kurznachrichten-Kuratierung, die unser Autor 2013 erstmals im deutsch-französischen Online-Magazin „Eurojournalist.eu“ eingeführt hat. Hier werden Geschehnisse der zurückliegenden Woche kuratiert und zu berichtenden Medien verlinkt.




