Angrillen jetzt

 

Richtiges Zubehör wie Grillgutträger mit mittigem Rauchabzug, zweiteiliges Füselierbesteck und Anti-Smoke-Gets-In-Your-Eyes-Deckel ist entscheidend. Foto: Arne Bicker
Richtiges Zubehör wie Grillgutträger mit mittigem Rauchabzug, zweiteiliges Füselierbesteck und Anti-Smoke-Gets-In-Your-Eyes-Deckel ist entscheidend. Foto: Arne Bicker

 

Der Frühsommer ist da, die Freibäder machen auf, und es wird Zeit, das liebste Sommerhobby neu zu entfachen, das natürliche Kochen auf Gühendem hinter Haus oder Wohnung. Beim ersten Mal im Jahr heißt das „Angrillen“, denn der Grill muss natürlich erst gewienert werden, die Spinnweben, so sie nicht mitgegrillt werden sollen, was eines knusprigen Reizes gleichwohl nicht entbehrte, gehören entsorgt (in die braune Bio-Tonne) und die Räder sollten frisch geölt werden – selbstredend mit nativem Bio-Olivenöl, handgepresst von Kleinbauern aus der griechischen Region Messenien. Denn quietschen die Räder beim Anrollen des Grills ins Epizentrum der Gäste-umsäumten Terrasse, so ersticken die Ohs und Ahs der geladenen Schar in luftigen Jil-Sander-Kostümen und Charles-Tyrwhitt-Jankern in verlegenem Hüsteln, noch bevor es losgeht.

Und wer will das schon.

Doch welcher Grill ist der beste, und vor allem welche Hitzequelle sollte gewählt werden? Gas, Kerosin und Kernkraft fallen aus Sanktions-, Umwelt- und  Endlagergründen weg. Einheimische Steinkohle gibt es seit der Schließung der Zecher Prosper-Haniel in Bottrop am 21. Dezember 2018 nur noch grammweise in seltenen Auktionen bei Sotheby’s – daher fällt unsere Wahl auf Holzkohle. Nun sollte man wissen: Die glimmige Holzkohle verleiht dem Grillgut erst ihre tragenden Aromen, daher sollte man gerade hier nicht an der falschen Stelle sparen.

Die einzig mögliche Wahl für ernsthafte Grillfans ist selbstredend Kishu Hanmaru Binchotan Holzkohle, handgeschnitzt aus japanischer Ubame-Eiche aus der Region Kishu, für 899 Euro (ohne Shipping im Ruderboot) je 15 Kilogramm. Die Kohlestücke sind handsigniert, jeweils mit einem Echtheitszertifikat versehen, nummeriert und eignen sich in der Tat nicht nur für die Kamado-Grillsysteme von Keramikgourmets.

Als Angrillsystem im frühsommerlichen Freiburg fällt meine Wahl deshalb auf einen Kugelgrill MZF-274219-GSH aus dem Hause Castle Peak Hot Burner Pro (wobei das „GSH“ in der deutschen Typbezeichnung wenig originell für „Ganz Schön Heiß“ steht), ein bullig-kompaktes Terrassenkohlekraftwerk mit Ein-Zylinder-Unterbodenvorglühzündung, roten Diskogriffen, innenliegendem, kreisrundem Grillrostrauchabzug und als Zubehör erhältlichem Grilldeckel „Warmer Brüter 3.000 F“ mit eingebautem Drehzahlmesser und digitalem Rauchzeichenübersetzer. Dieses Gerät gilt als der Thermonix unter den Kugelgrillen und ist im gut sortierten Fachhandel selten unter 4.847,- Euro erhältlich. Achten Sie auf Sonderangebote, es könnte sich lohnen.

Wer aber vor dem Startschuss bei mir nach einer Grillzange sucht, der greift ins Leere, denn sind wir mal ehrlich, wer oder was will sich schon gern in die Zange nehmen lassen? An mein Grillgut lasse ich prinzipiell nur ein zweiteiliges Anschafferer-Füselierbesteck aus echtem Hebestahl mit Macore-Griffen und Bändchen aus original-läppischem Rentierleder.

Jetzt kann es also losgehen: Das pechschwarze, japanische Grillgold wird sorgsam entzündet, der Kamineffektwinkel am Grillsystem sollte, je nach Windrichtung, die 470-Grad-Marke nicht überschreiten, und die Grilltemperatur am Chrom sollte sich locker irgendwo zwischen 102,9 und 103,2 Grad Celsius einpendeln. Und nun zum Grillgut: Als Gastgeber zeige ich meinen guten Geschmack, indem ich meine Gäste an diesem Grillsaisoneröffnungsabend mit einem leichten, veganen Angrillgericht verwöhne: Serviert wird ein grünes Belmondo-Bohnenstängelchen an gehälfteter Czerwonka-Cocktailtomate mit einem Tortenfünftel ungepufftem, original-skandinavischen Rievkooche als Sättigungsbeilage. Neben einem jeden Teller findet sich auf dem Terrassentisch zudem noch auf einer Faltserviette je eine Pipette mit sorgsam vorgewärmter Sesam-Tamarind-Sauce zum Abschmecken.

Am Grill gilt es indes Vorsicht walten zu lassen: Auch, wer Jamie Olivers neuestes Kochbuch „BBQ – Einfach genial grillen“ auf Basis eines recycelten FDP-Wahlprogramms noch nicht gelesen hat, sollte die Bohne nicht garen, bis sie bricht, die Tomate unbedingt noch vor ihrer Explosion vom Chrom nehmen und den Rievkooche gleichfalls dem kreisrunden Hochofen entheben, bevor er einen subtilen Verwandtschaftsgrad zur Grillkohle zeitigt.

Dazu reiche ich einen leichten 2008er Fattoria La Vialla Bio-Weißwein im stylisch-weißen Ahlbeck-Keramikfingerhut von Casa Cenina – man will die Gäste ja nicht schon vor der Heimkunft ins Wanken zwingen. Und so neigt sich der kulinarisch-vorsommerlich-leicht-lauschige Angrillabend nach gut dreiundzwanzig Minuten, Vorbereitung sei dank, schon wieder dem Ende zu, bei welchem ich meine Gäste gekonnt verwöhnt und ins Staunen versetzt habe, mit Kommentaren wie „Deliziös!“,  über „Könnte ich bitte das Rezept bekommen?“ (Ja, hier!) bis „Inspirierend-übersichtlich und aromatisch auf den Punkt.“

Wer dieses oder andere leckere Terrassenrezepte nachgrillen möchte, dem empfehle ich mein demnächst erhältliches Kochbuch „Grill gut! Und gerne! Immer her mit dem Kohlenpott!“.