400 bei Männer-Demo gegen sexualisierte Gewalt

Männer-Demo gegen sexualisierte Gewalt in Freiburg. Foto: Arne Bicker
Männer-Demo gegen sexualisierte Gewalt in Freiburg. Foto: Arne Bicker

 

Rund 400 Menschen, mehrzählig Männer, etwa ein Viertel Frauen, nahmen am heutigen Samstag auf dem Platz der alten Synagoge in Freiburg an einer Demonstration von Männern gegen sexualisierte Gewalt an Frauen teil. Aufgerufen hatte der PR-Manager Philipp Appenzeller.

Bei nasskaltem Wetter appellierten neun Redner*innen an alle Männer, physische, psychische und sexualisierte, auch digitale Gewalt gegen Frauen wahrzunehmen, als  strukturelles gesellschaftliches Phänomen zu erkennen sowie fortan aktiv dagegen vorzugehen.

Auslöser für die kurzfristig anberaumte Demo war der öffentlichkeitswirksame Fall der Schauspielerin Collien Fernandes, die ihrem Ex-Mann Christian Ulmen vorwirft, Deepfake-Videos von ihr erstellt und verbreitet zu haben. Mit Sibel Kekilli hatte am Donnerstag dieser Woche eine weitere deutsche Schauspielerin in einem längeren Artikel in der Wochenzeitung „ZEIT“ über ähnliche Erfahrungen berichtet.

Die ARTE TV Doku „Alptraum Deepfake Pornos“ beleuchtet ähnliche Fälle in den USA. Sie alle eint: Die Opfer werden oft lebenslang traumatisiert, während die fast immer männlichen Täter mit ihren Taten meist ungeschoren davonkommen.

Ähnlich Demonstrationen wie diese in Freiburg fanden oder finden in Münster, Ulm und Konstanz statt. Es scheint, dass dieses lange Zeit vor allem von Männern, auch in Justiz und Politik, unterdrückte oder weggedeutete Thema endlich dahin kommt, wo es hingehört: In die öffentliche Wahrnehmung und Diskussion und damit in juristisches, politisches und gesellschaftliches Umdenken und Handeln.

Veranstalter Appenzeller („Für mich ganz persönlich finde ich es unerträglich, wie viel Gewalt wir Männer einfach so hinnehmen, solange wir vom System profitieren“) will es in Freiburg nicht bei der Demo bewenden lassen; er stößt nun eine Initiative unter dem Titel „Männer gegen sexualisierte Gewalt Freiburg“ an, die sich auch weiterhin diesem schwerwiegenden, gesellschaftlichen Problems als Info-, Anlauf- und Aktionspunkt entgegenstemmen will.

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