
Am Montag, 6. Juli 2026, wurde in Offenburg die 36-jährige Kateryna Sniedkova von einem zuvor mehrfach wegen Stalkings angezeigten Mann ermordet. Sie hinterlässt einen minderjährigen Sohn, der nach dem frühen Verlust seines Vaters nun beide Eltern verloren hat. Jetzt wurde eine Spendenaktion für den 14-jährigen Waisen ins Leben gerufen.
Kateryna Sniedkova unterrichtete vor ihrer Flucht aus der Ukraine als Theaterdozentin an der Hochschule der Künste in Charkiw. Seit Sommer 2024 arbeitete sie in zahlreichen Projekten der Jungen Theaterakademie Offenburg mit. Nach Angaben der Theaterakademie war die Zusammenarbeit mit ihr menschlich außergewöhnlich harmonisch, künstlerisch wie pädagogisch von unersetzbarem Wert.
Dass eine engagierte Integrationsgeschichte – nach Flucht und Neuanfang – nun so brutal endete, erzeugt eine doppelte Betroffenheit: die persönliche Trauer um einen einzelnen Menschen und das Entsetzen über eine weitere Schlagzeile über Gewalt an einer Frau, weil sie eine Frau ist.
Dieses Einzelschicksal lässt sich nicht losgelöst von einem großen gesellschaftlichen Missstand betrachten: Wenn Frauen aufgrund ihres Frauseins durch Gewalt zu Tode kommen, verweist das auf das Thema Femizid und das gesellschaftlich wie politisch nach wie vor viel zu sehr unterschätzte Problem von Männergewalt.
Expert*innen sehen darin keine isolierten Ereignisse, sondern Symptome tiefer liegender gesellschaftlicher Strukturen – von geschlechtsspezifischen Machtverhältnissen über unzureichende Schutzangebote bis hin zu Lücken in Prävention und Intervention. Zwingend nötig sind daher eine flächendeckende Präventionsarbeit, verlässliche Schutzräume, schnelle behördliche, speziell polizeiliche Interventionen sowie eine konsequente Strafverfolgung.
Wir bewegen uns beim Thema Männergewalt in einem Spektrum zwischen Schweigen, Wegschauen und Verdrängen bei subtil-misogynen Kommentaren und Verhalten und dem Extrempol viel zu vieler Femizide. Es geht nicht nur darum uns über Nachrichten zu echauffieren; wir können und müssen bereits im Kleinen etwas tun. Eine ernsthafte Sensibilisierung für patriarchale Strukturen ist eminent wichtig.
In Offenburg ruft nun die Junge Theaterakademie gemeinsam mit der Bürgerstiftung St. Andreas zu Spenden für Katerynas Sohn auf, für dessen Zukunft (schulische und berufliche Ausbildung, Lebens- und Wohnsituation) auch in längerfristiger Perspektive Spenden gesammelt werden sollen. Die Spendengelder werden von der Offenburger Bürgerstiftung verwaltet und zweckgebunden freigegeben. Zuwendungen können auf dieses Konto überweisen werden:
Kontoinhaber: Offenburger Bürgerstiftung St. Andreas
IBAN: DE44 6645 0050 0000 5480 00
Verwendungszweck: Trauerfall Kateryna Sniedkova
Spendenbescheinigung bei Angabe der Adresse für Spenden über 100 Euro
Wer selbst betroffen ist oder Unterstützung sucht, kann sich rund um die Uhr an das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ wenden: 116 016 (anonym und mehrsprachig).
=> Die Badische Zeitung zu Hintergründen
=> Ein Nachruf im Offenburger Tageblatt




